Jeremiah Asiamah

Wenn die Bühne zu Beben beginnt und der Beat die Endorphine zur Bewegung anregt, dann weiß man: Da steht ein Mensch an den Reglern, der mit Leidenschaft agiert. Jeremiah Asiamah ist einer derjenigen, der weiß, welche Trigger aktiviert werden müssen um aus einem Kindergeburtstag ein Festival zu machen und schafft es mit Feingefühl und sympathischer Performance Events weltweit zu einem Spektakel aufzuwerten. Wir haben den jungen Künstler aus England im Ushuaia Hotel in Ibiza getroffen, wo er sich als DJ die Bühne mit Tinie Tempah und anderen Stars aus dem Bereich Hip Hop teilte.



Das Interview

LW: Jeremiah, du kommst aus England? Warum bist du heute in Ibiza?

JA:„Naja, ich nehme mal an ich wurde hier gebucht. Das ist der Hauptgrund, warum ich hier bin. Eine unglaubliche Insel mit faszinierenden Vibes! Ich finde es toll einfach mal die Energie zu checken und nachsehen was in Ibiza wirklich abgeht. Das ist das erste Mal, dass ich hier bin. Es ist unglaublich schön, also einfach eine wahnsinnig tolle Insel. Die Menschen, auch die Fahrt vom Flughafen hier her…unglaublich schön!“

LW: Ushuaia gehört weltweit zu den besten und großartigsten Plätzen für internationale Künstler! Hier treten Acts aus allen Sparten an. Wenn man auf solchen Brettern die Bühne mit Talenten wie Tinie Tempah teilt, dann kann man eigentlich von dir sagen, dass du es eigentlich GESCHAFFT hast, oder?

JA: „Wouah….ich denke „MADE IT“ ist ein wahnsinnig starker Satz. Manchmal realisiere ich nicht, wie groß die Locations sind, wo ich spiele, aber dann stehe ich beispielsweise in der Suite eures Hotelzimmers und bin am Balkon und nehme wahr wie groß die Location eigentlich wirklich ist, die Arena, der Platz, das Licht…dann wird es mehr Realität und ich denke mir „Boah! Ich bin ein 20 jähriger DJ, in einem anderen Land, der mit den größten Stars weltweit die Bühne teilen darf!“ Dann fühlt sich das schon realer an. Ich würde jetzt aber trotzdem nicht sagen, dass ich es geschafft habe, aber ich fühle mich schon so, dass ich auf dem richtigen Weg bin, die richtigen kleinen Schritte zu machen.“

DK: Jeremiah, du bist 20 Jahre alt. Was war der Ursprung dessen, dass du sagst „Ich mache Musik!“

JA: Ich habe nicht gedacht, dass ich die Story hier erzähle, aber ich denke, dass es einfach passt um einfach zu erzählen, wie das alles angefangen hat. Als ich jünger war, war ich immer etwas der Klassenclown in der Schule, was immer bisschen problematisch war. Ich hab mich mit einer falschen Community umgeben, welche mich irgendwann zu dem Punkt gebracht hat, dass meine Mutter nicht mehr auf mich aufpassen konnte, weil ich oft spät nach Hause kam, usw. (mehr davon im Podcast)

DK: Du warst 15 Jahre alt und warst einfach so frech, die Radiostation anzuschreiben! Vielen Menschen da draußen geht es so, dass sie bestimmte Dinge aus Angst nicht tund und im Nachhinein sich denken: „Mensch, das hätte ich machen sollen. Du zeigst gerade, dass manchmal wenn man Dinge einfach macht und nicht zu lange darüber nachdenkt, die geilsten Sachen passieren!“

JA: „Immer!“

DK: Du hattest also diese Motivation und hast auch aktiv daran gearbeitet – mit 15 Jahren. Das ist verrückt und das ist das Ding, das halt einfach funktioniert.

JA: „Eines was ich denke ist, dass junge Leute oft anfangen Dinge zu machen und dann aufhören, aber nicht weitermachen. Ich hab mir halt gesagt:“ Ich möchte da weiter daran arbeiten…und nie aufhören…bis ich es geschafft habe.“

LW: Für mich gibt es etwas, das nennt sich POWER OF FAILING. Man kann nicht gewinnen, wenn man nicht weiß, wie es ist zu verlieren. Aber wie manifestiert sich dieser Satz, dieses Gefühl bei dir? Hast du schon einmal verloren, oder ist alles was du erlebst für dich eine Erfahrung?

JA: „Ich glaub ich habe nie in meinem Leben verloren, es ist immer eine Erfahrung oder eine Möglichkeit mich weiterzuentwickeln. Zum Beispiel – als ich das erste Mal in meinem Leben als DJ aufgelegt habe war dies wahrscheinlich das schlechteste DJ-Set der Welt: Ich wusste einfach, dass ich am Anfang stehe, ich hab es als Erfahrung abgespeichert und gewusst:“ Das kann ich verbessern, das kann ich ausbauen!“ ich hab mich bemüht und das Beste gegeben. Darum geht es!“

LW: Viele Menschen haben ein Problem mit Zielsetzung und Schwierigkeiten sich Ziele zu setzen, hast du Ziele oder Meilensteine in deinem Leben? Oder was motiviert dich deinen Pfad weiterzugehen?

JA: „Ich glaube ich habe mir persönlich nie wirklich Ziele gesetzt, sondern mich einfach nur gefreut, auf das was sich ergeben hat und plötzlich da war. Andere Menschen – mein Mentor beispielsweise setzt mir Ziele und motiviert und beeinflusst mich. Was mich aber wirklich motiviert hat glaube ich und was für mich der Punkt war weiterzumachen, waren die Leute, die mich ansprechen und meine Leidenschaft so als Hobby wahrnehmen. Sie sagen: „Wie geht’s dir mit dem Djing?“ Alle tun so als ob es ein Hobby ist, aber ich wollte jedem zeigen, dass sie falsch liegen. DJing ist mein Leben und ich will Menschen zeigen, dass ich es schaffen kann! Ihnen zeigen, dass es jeder schaffen kann…“

LW: Nimm die Kritik an und nutze sie als Energie um noch aktiver an deinen Zielen zu arbeiten. Also quasi Leaded by Passion?

JA: „Du kannst nicht gebrochen werden, wenn du genug Leidenschaft hast.
Du kannst immer weitergehen, solange du die Leidenschaft hast“

LW & DK: Viele Leute haben Probleme mit ihrer Familie, ihrem Leben und ihrem Lifestyle. Wenn du am Boden bist hast du grundsätzlich zwei Möglichkeiten: 1.) Am Ende einfach aufgeben, oder 2.) das Beste daraus zu. Bei dir habe ich das Gefühl, dass man klar sehen kann, dass du mehr bist als dieser „Typ mit den Problemen“. Du hast das Leid deiner Situation genommen und das Beste daraus gemacht, Jeremiah! Als wir übers Line-Up der Artists gegangen sind, habe ich das Gefühl gehabt, du packst viel Engagement in dein Social Network, dein Instagram, deine Community, deine Freunde…Digitale Revolution hat angefangen aber die echte Beziehung ist so wichtig und du zeigst, was du erreichen kannst, weswegen wir stolz sind darauf dich bei uns im Interview zu haben. Du warst 15 und 5 Jahre später legst du auf in einem der größten Clubs der Welt. Das ist bewundernswert.

JA: „Ich habe das gar nicht gewusst…haha, ich hab das erst rausgefunden, als ich da war, dass der Club zu den besten der Welt gehört. (Mehr dazu im Podcast) 

DK: Wie viele Gigs hast du gehabt bis du hergekommen bist?

„Ich weiß es gar nicht…haha, vielleicht 30 bis 40.“

LW & DK: Was zum Teufel! Wahnsinn! (Mentor spricht rein:“ Jeremiah, das waren bestimmt an die 100, mit all den Hauspartys usw.“ – alle lachen)

„Okay…dann wahrscheinlich 100…mit all den ganzen Geburtstagspartys und allem Anderem…hahaha“

DK & LW: Das ist unglaublich, du kannst echt stolz auf dich sein, Jeremiah (!)
DK: Jetzt habe ich aber zwei Fragen an dich, zum Einen…Wie hast du deinen Mentor kennengelernt und zum Anderen, was ist in den 5 Jahren passiert? Gab es eine Veränderung in dir, oder hast du immer gewusst, dass es das ist, was du am Ende machen willst?

JA: „Ich muss zugeben, ich bin ein absolut gläubiger Mensch und ich habe quasi wirklich gebetet, bin in die Kirche gegangen und das war für mich ein wahnsinnig inspirierendes Erlebnis. Ich würde mich nicht als Christ bezeichnen, aber ich glaub an den Weg von Jesus und ich denke das hinter allem ein Grund steckt. Es gab absolut einen Grund, warum wir uns hier jetzt getroffen haben, beispielsweise… (mehr im Podcast)

DK: Kann mir vorstellen, dass in diesen 5 Jahren wahnsinnig viel passiert ist. War irgendwo der Punkt mal da, wo du aufgeben wolltest?

JA: Ich hatte ganz am Anfang den Punkt, wo ich aufhören wollte. Meine ersten DJ Controller hat meine Mum mir gekauft. Meine Mama hat geschaut, dass sie das Geld, was sie hatte in mich investiert hat. Das war halt wirklich zwar schlechte Qualität, aber dennoch habe ich versucht das Beste draus zu machen. Also habe ich die Controller gehabt und dachte „Jetzt bin ich DJ“ und habe dann etwas getrickst. Also ich meine, ich trickse jetzt nicht mehr, aber ich wollte meiner Mum ein bisschen was vorspielen und habe halt den SYNC-Button gedrückt, weil ich dachte, dass es dann automatisch synchronisiert, aber es klang halt immer noch scheiße. Dann bin ich zu meiner Mum und habe ihr gesagt „Das ist ein Scheiß das funktioniert nicht. Ich bin jetzt kein DJ mehr.“ – Darauf meinte dann meine Mum:„ Jeremiah, ich hab meine letzten 200 Dollar dafür ausgegeben, dass du die Controller hast…du bist jetzt ein DJ, also kümmer dich darum “ und ich hab mich dann dazu gezwungen weiterzumachen und mir beigebracht es selber zu synchronisieren.

LW: Ist es heute wirklich so einfach dass du einen Button drückst und du bist DJ?

(Antwort im Podcast)

DK: Wir haben dich performen gesehen. Du hast 2 Stunden performt, wirklich mehr als jeder andere Star-DJ nach dir. Es war sehr faszinierend weil du tatsächlich eine Performance in deinen Shows drinnen hast. Du fühlst die Musik. Du singst mit. Du nimmst den Vibe auf und ich hatte das Gefühl, die Leute waren fasziniert davon…

JA: „Ich habe persönlich Schwierigkeiten immer am Anfang, weil ich mir viele Gedanken mache, wenn sich nicht alle bewegen. Aber umso länger ich das mache umso mehr weiß ich, dass die Bewegung nicht nur physisch, sondern auch im Kopf stattfindet. Das heißt, er kann vielleicht gerade nicht tanzen, feiert aber im Kopf gerade deinen Track und ist da voll in Bewegung. Das sehe ich dann halt an den lächelnden Gesichtern oder eben gar nicht. Als ich mein Set angefangen habe um 5 Uhr, dann war Lukas der erste mit seinem weißen Shirt und hat einfach angefangen zu tanzen.“ (alle klatschen)

LW: Natürlich, also klar. Supporte die ehrlich-guten Menschen, haha. Eine kleine Kritik habe ich aber…ich habe David Guetta schon zweimal spielen sehen, ein absolut erfolgreicher Mensch mit einer großartigen Geschichte, die auf jeden Fall die Karriere von vielen DJs vorantrieb. Aber du siehst einfach, dass bei 200 Auftritten pro Jahr die Luft ein bisschen raus ist und bei dir hat man einfach ein anderes Gefühl, Jeremiah. Ich wünsche mir, dass du dir das beibehaltest. Die Passion, die Leidenschaft. Das ist einfach geil und da steht eine richtige Person, die dich wertschätzt als Gast bei dir. Das ist wichtig! Wenn du zum Erlebnis wirst, dann wirst du immer eine Erinnerung bleiben.

DK: Es ist immer hart der Erste im Line-Up zu sein, aber du hast das unglaublich gut gemacht. Wir haben schon mal darüber gesprochen, manchmal kriegst du das Feedback nicht in der gleichen Sekunde. Manche Menschen können sich nicht gleich ausdrücken oder sind dankbar. Manchmal kommt die Dankbarkeit erst im Nachhinein. Und aus dem Nichts kommt irgendwann irgendwer der sagt „Fuck, danke!“

JA: Wow, vielen Dank, Jungs.

LW: So, zurück zum Alltag. Wie verhinderst du Problemsituationen? Hast du eine Musik, die du gerne hörst, wenn es dir schlecht geht oder was ist deine Inspiration Dinge besser zu machen?

JA: Gott, die Bibel, Freunde – nicht mal Familie, aber meine engen Freunde sind irgendwie Familie und Musik auch. Aber manchmal macht die Musik auch das Problem. Manchmal ist MUSIK das Problem. Aber ich denke Freunde sind top. Ich habe früher EDM gespielt. Don Diablo war mein erstes Radio-Interview. Ich liebe EDM. (Mehr dazu im Podcast)

DK: Und ich mein…du bist erst 20! Du hast noch so viel Chancen.
LW: Hast du noch Meilensteine? Was passiert nach Ushuaia?
JA: Absolut, ich möchte für 60.000 Menschen spielen und auf der Bühne stehen und mit ihnen feiern….

(Achtung: Hier musst du wirklich den Podcast anhören. Saulustig!)

LW: Ganz ehrlich, es war unglaublich toll mit dir im Interview. Danke für deine Zeit, Jeremiah. Eines möchte ich noch wissen, für all diejenigen, die jetzt an dem Punkt sind wo sie nicht wissen, wie der nächste Schritt ist, welchen Rat hast du diesen Leuten?

JA: Erstens: Umgebe dich mit Leuten die erfolgreich sind und die wollen dass es dir gut geht, das wird nicht einfach sein, aber am Ende dich glücklich machen. Zweitens, schau dass du keine Angst davor hast Fragen zu stellen oder Möglichkeiten zu nutzen oder um Chancen zu bitten. Egal wie alt du bist, es gibt keinen Zeitpunkt an dem du keine Fragen stellen kannst oder darfst. Drittens, als ich 15 war, hat Tinie Tempah ein Album „Youth“ rausgebracht. Er wollte mit „Youth“ die Jugend pushen. Also habe ich ihn interviewt zu dem Thema. (Mehr zur Geschichte, wie Tinie Tempah es Jeremiah ermöglichte in Ibiza aufzulegen gibt’s ebenso im Podcast)

Dann sagen wir Danke für die Zeit und schauen schon ganz gespannt, was sich die nächste Zeit bei dir tun wird. Viel Erfolg!


Post Author
Lukas GlobeTrotter
Life showed me that whatever you do - rather your failing or not - gives you experience and step by step i started to realize how beautiful it is to live.

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