Die drei Modelle der Streitschlichtung

Du kennst die Situation bestimmt. Irgendetwas zwischen dir und einer weiteren Person ist vorgefallen. Du fühlst dich falsch behandelt, ungerecht kritisiert und versuchst in einer ausgiebigen Rechtfertigung dein Verhalten klarzustellen. Vielleicht versuchst du auch aktiv dein Gegenüber davon zu überzeugen, dass er / sie falsch liegt. Aber gleichzeitig merkst du, wie ihr aneinander vorbeidriftet und am Ende alles was bleibt ein unwohles Gefühl im Magen ist. Es scheint so als wäre alles verloren und die Freundschaft, Beziehung, oder der Kontakt auf ewig gebrochen, aber wie hättest du obige Situation vermeiden können? Vielleicht gar nicht, vielleicht aber auch so wie folgt. Achtung: Hier handelt es sich lediglich um eine Meinung und nicht um ein wissenschaftlich-analysiertes Konzept, dennoch durfte ich in vielerlei Hinsicht bereits folgende Erfahrungen sammeln:

Nehmen wir ein Extrem-Beispiel um es klar zu verdeutlichen:
Dein Gegenüber vertritt ein extremes Weltbild konträr zu deinem eigenen. Stelle dir kurz vor, jemand würde dich für dein eigenes Weltbild kritisieren und dich als „extrem“ einstufen. Was muss passieren, damit du dein Weltbild änderst? Wahrscheinlich so einiges. Meistens gibt es in solchen Situationen aber drei verschiedene Typen von Menschen, die im Grunde sich im Wesentlichen von der Erfolgsquote im Nachhinein ziemlich unterscheiden.

„Das stimmt alles so nicht!“

Eine sehr verbreitete Methode der potenziellen Überzeugung ist die Methode die Inhalte des Anderen als unwahr darzustellen. In einem Konflikt und einer dementsprechenden Diskussion wirft man sich gegenseitig vor, dass das was der Andere sagt, so nicht stimmt. Egal ob das nun eine politische Diskussion ist („Du hast doch keine Ahnung von Flucht“, sagt Peter zu Ali) oder eine wirtschaftliche Debatte („Du lügst wie gedruckt“, beschimpft der Arbeitnehmer seinem Vorgesetzten). Auch hier kann man sich schon einmal fragen, ob man sein eigenes Weltbild verändern würde, wenn jemand einem vorwirft, man würde lügen in der Welt verbreiten, oder Unwahrheiten aussprechen. Wahrscheinlich nicht. Im Gegenteil wird die eigene Meinung nur noch mehr durch vielleicht weitere unscheinbare Aussagen gerechtfertigt, einfach nur deswegen weil man mit persönlichen Angriffen attackiert wird, die man so nicht „stehen lassen“ will. Da keiner auf irgendeiner Seite ein Lügner sein will und diese Diskussionen oft in großen Gruppen diskutiert werden, wo man sich nicht die Blöße des „Status-Verlusts“ geben will, werden Argumente teilweise erfunden oder weitere Beispiele genannt, bis sich das Thema so hochschaukelt, dass entweder einer auf herkömmlichen Wege den Raum verlässt, oder aber später durch einen Arzt untersucht wird (lässt sich hoffentlich vermeiden). 

Die Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenüber die Meinung ändert, ist hier nicht wirklich gegeben.

Gegenteilig wird die Situation mit jedem Beispiel nur weiter verschlimmert. Ein Aufeinander-Zugehen wird vermieden durch stetiges Anschuldigen des Gegenübers. Im Extrembeispiel wirft der Deutsche, der ab und an als „Scheiß Deutscher“ in Deutschland beschimpft wird dem Flüchtling, der ab und an als „Scheiß Ausländer“ beschimpft wird vor ein „Scheiß Ausländer“ zu sein und umgekehrt. Dass der Deutsche im Streitgespräch als „Scheiß Ausländer“ beschimpft wird in seinem eigenen Land eher unrealistisch, was es von Außen so wirken lässt, als wären es zwei ungleiche Sätze oder Verhaltensweisen einzelner Vollidioten, die solche Aussagen aussprechen. Selbstverständlich ist der Hass auf beiden Seiten derselbe und auf beiden Seiten zu kritisieren und zu vermeiden. Diese Synergie kann aber mit der „Das stimmt alles so nicht, was du sagst!“ – Methode nicht erreicht werden und es endet in einem Debakel, welches für beide Gruppen unschöne Konsequenzen haben kann.

„Der sTill-Schweiger“

Auch eine Variante der Überzeugungsarbeit ist das stillschweigen. Nun gut, der hiesige Namensvetter Til Schweiger ist alles Andere als ein Schweigefuchs, aber das Aussitzen verfolgt eine lange Tradition, die bereits auf die Antike zurückgeht…(hust, das ist frei erfunden). Diese Methode ist nicht die schlechteste Alternative, da es dem Anderen die Möglichkeit gibt seine Inhalte zu platzieren, bevor man auf Konfrontation stößt. Das Gegenüber fühlt sich gewissermaßen eher verstanden und akzeptiert, ist es aber so eher nicht gewohnt und hat ein grundsätzlich mulmiges Gefühl in solch einer Unterhaltung, weil Stille oftmals mit „Gefährdung“ verglichen wird. Du kennst doch bestimmt diese unangenehme Stille in einer Unterhaltung, die im Endeffekt alle Beteiligten ein Stück weit nach Unten zieht.

Das Gegenüber fühlt sich für das Darstellen seiner Meinung unwohl, was genauso wenig gewünscht sein sollte, bei einer ehrlichen, ausführlichen Diskussion.

Keiner sollte sich ein Stück weit unwohl fühlen müssen, weswegen die Methode des sTill-Schweigers auch nicht wirklich das Konzept erfüllt, welches zur nachhaltigen Veränderung führt. Vorallem ist nach einem Stille-Moment zwar das Unwohl-Gefühl beim Gegenüber ein Stück weit erreicht, aber im nächsten Moment fällt der sTill Schweiger oft in Konzept 1 über und wird zum „Das stimmt alles so nicht“, wenn die Pause länger gehalten wurde. Hat natürlich zur Folge, dass die Konsequenz die selbe ist, wie obig. Da hilft nur eines…

„Der Toleranzbolzen“

Der Toleranzbolzen zeichnet sich dadurch aus, dass er sein Gegenüber in seiner Meinung toleriert (sprich: existieren lässt). Eine 100%ige Überzeugung in dieser einen, potenziell-einzigen Diskussion sieht er als nicht realistisch an und daher versucht er sich in seiner besten Art & Weise, aber gleichzeitig auch in der kompliziertesten…im Verständnis des Gegenübers (Achtung: Niemals in der 1000%igen Akzeptanz). Er stellt Fragen wie „Woher kommt dieser Gedanke?“ lässt es sich erklären und fragt „Wo lag da der Ursprung bei dir, dass du diese Meinung vertrittst?“) und geht der Sache aktiv auf den Grund. Beispielsweise kann es sehr wohl sein, dass ein in-Berlin-Kreuzberg aufgewachsener Deutscher, der in einer Schule mit erhöhtem Ausländeranteil aufgrund schlechter Bildung und falschen Integrationsmaßnahmen über Jahre hinweg als „Scheiß Deutscher“ beschimpft wurde, eher eine rechte Meinung vertritt, als eine Linke. Weder ein linker, noch ein rechter Vertreter (hier in unserem Extrembeispiel) würde aber jemals sein Herz und sein Innerstes in einer offenen Diskussion direkt preisgeben, weswegen es hier für den, der wirklich überzeugen möchte erstmal darum geht, eine fremde Meinung zuzulassen um später dem Ganzen mit Inhalten auf einer sachlichen Ebene schrittweise entgegenzutreten.

Ist erst die Botschaft übermittelt, dass ein grundsätzliches Verständnis beider Seiten gegeben ist, so diskutiert es sich bereits sehr viel leichter und der Content kommt dementsprechend positiv beim Gegenüber an, weil er ein ernsthaftes Interesse verfolgt „Woher kommt die Meinung meines Gegenübers“ und nicht einfach nur darin resultieren soll, das komplette Weltbild einer anderen Person zu attackieren.  Das Verständnis woher die Meinung meines Gegenübers kommt ist notwendig um im nächsten Prozess auch die Meinung zu ändern. Ganz wichtig, denn aus der Sicht von Außen gilt: Wenn mich mein Gegenüber nicht mit meinem Gedankengut komplett wahrnimmt und versteht, dann fühle ich mich nicht sicher genug, die Meinung von ihm oder ihr anzunehmen.

Deine Erfahrungen machen dich zu dem, was du bist. Genauso ist es bei deinem Gegenüber!


Sprache hat sich verändert!

Egal für welche Kategorie du dich entscheidest, fest steht für mich, dass es im heutigen Zeitalter im deutschsprachigen Raum schwer geworden ist, mit seiner eigenen Meinung nach Außen zu gehen. Ganz egal für wen und mit welcher Meinung. Sprache hat sich verändert und ist digital geworden. Die reale Aussprache bleibt oft zu weiten Teilen auf der Strecke. Daher zwei grundlegende  alternative Möglichkeiten um wieder „sprechen“ zu lernen: Ich versuche so viel es geht mit meinen Freunden in Telefongesprächen oder realen Treffen zu klären, bevor ich mich auf Whatsapp oder elektronischen Nachrichten in Missverständnisse verwickele. Es ist sehr schwer eine Textnachricht richtig zu deuten. Eine Sprachnachricht ermöglicht einem immerhin heutzutage noch die Möglichkeit die eigenen Worte und den Klang dessen mitzuliefern, aber auch das kann je nach Tonlage falsch rüberkommen und die Mimik fehlt komplett. Konflikte und Problemsituationen sollten wenn dann nur bei einem persönlichen Treffen besprochen werden, da es hier die beste Möglichkeit gibt, Konflikte direkt aufzulösen. In Extremsituationen hilft dir obiger Tipp mit dem „Toleranzbolzen“. Was dazwischen einfacher ist um in Konflikten dem Anderen ein Stück weit näher zu kommen, das erfährst du nächste Woche!

Post Author
Lukas GlobeTrotter
Life showed me that whatever you do - rather your failing or not - gives you experience and step by step i started to realize how beautiful it is to live.

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .