Darunter leiden Beziehungen heutzutage

In keinem anderen Zeitalter gab es mehr Trennungen, als in unserer Generation. 2017 gab es in Österreich rund 45.000 Eheschließungen, sowie knapp 16.200 Scheidungen. Was für viele nach „logische Entwicklung unserer Zeit“ klingen mag, reicht mir persönlich nicht. Den wahren Grund dieser Entwicklung sehe ich ein Stück weit tiefer. Ein ganzes Stück weit tiefer. Dazu möchte ich aber einfach ein bisschen eintauchen in die Materie Beziehung und Partnerschaft und in das heutige Date-Verhalten von Männern und Frauen.

„Willst du mich echt kennenlernen?“

Immer mehr Menschen wenden sich von der realen Begegnung ab und kommunizieren digital. Das Wort „ECHT“ ist hier nochmal zu betonen, denn ein reales Kennenlernen ist über digitale Plattformen nur schwer möglich. „Das hätte es früher nicht gegeben“, mag zwar stimmen, hilft aber hier nichts, da wir nicht im „Früher“ leben. Das digitale Zeitalter schafft unendliche Möglichkeiten, hunderte Optionen und das ständige Gefühl etwas zu verpassen, wenn man aktuell in seinem Leben eher eine Schwere durchmacht (dazu später mehr). Diese Form der ständigen Erreichbarkeit mag für den Notfall ein positives Schaffen sein, reale Kontakte kommen aber für die meisten Menschen so kaum noch zustande. Die Schwierigkeit liegt hierbei in verschiedenen Zugängen…

Kontakt in der „realen Welt“ (Offline-Dating)

Immer mehr Menschen kümmern sich aktiv darum ihre Karriere voranzutreiben und füllen ihre Freizeit mit Freunden, oder eben Zuhause. Hat man einen belebten Freundeskreis ist es natürlich noch einfacher unter Menschen zu kommen, leider ist das digitale Sein („Im Internet bin ich Alles“) aber häufig auch Ursache dafür, dass man sich im realen Leben schwer tut mit einem aktiven Social Circle, der dich davon rettet, dich zuhause zurückzuziehen. Das Geschlecht seiner Begierde lernt man wenn dann nur beim Ausgehen kennen, oder beim Verrichten von Hobbys. Und auch da heißt es aufpassen, denn eine Person anzusprechen kann absolut in die Hose gehen, wenn man nicht im Vorfeld genau weiß, was für diese Person „im Rahmen“ ist. Für manche ist ein einfaches „Hey“ schon zu ‚creepy‘ – ein „Hey, ich habe dich gerade gesehen und dachte mir, ich muss dich einfach kennenlernen.“ bereits zu aufdringlich und ein „Na, wie geht’s?“ zu merkwürdig. Vorallem beim weiblichen Geschlecht hat sich der Gedanke „Der will doch nur Sex“ über die mediale Außeneinwirkung häufig bereits so tief eingepflanzt, dass ein Ansprechen meist direkt als sexualisierter Angriff wahrgenommen wird, dem man Widerstand leisten muss. Dass es auch Männer gibt, die sich im Grunde wirklich anhand der Oberfläche sehr für die inneren Werte der Person interessieren, wird hier völlig ausgeblendet. (Anmk.: Natürlich hat ein Mann keine Möglichkeit deine inneren Werte anhand deiner Optik zu erfahren, daher ist es für ihn notwendig dich anzusprechen um deine Charakteristik zu überprüfen. Bei gegenseitigem Interesse kann das positiv für beide Seiten sein – da direkt kontra zu geben, ist in vielen Fällen verletzend und kontraproduktiv). Ein guter Freund von mir hat sich zum Ziel gesetzt Menschen die er attraktiv findet (egal ob Frau, ob Mann) zu komplementieren und die Reaktionen ein Stück weit zu analysieren. Dabei ist ihm aufgefallen, dass Männer viel positiver auf Komplimente reagieren, als Frauen. Leider eine traurige Wahrheit, die wohl oder übel darauf zurückzuführen ist, dass ein herkömmlicher Mann in jeder Verfassung eher selten auf sein Äußeres ein Kompliment bekommt, sondern meist dafür mit einem Karriere-Erfolg in die vordersten Reihen drängt, wofür dann „geklatscht“ wird, während es bei einer Frau eher die oberflächliche Variante ist, die im Vordergrund steht. Ist eine Frau dann noch im Beruf erfolgreich kennen viele kein Halten mehr und drängen sich völlig ihr auf. Grundsätzlich reicht aber da die Oberfläche, was natürlich die fallenden Komplimente und Sprüche auch nur oberflächlich basieren lässt. Die Möglichkeit des Dialogs ist hier nicht mehr gegeben und die Erwartung, dass der charmante Prinz im Einkaufszentrum wie magisch die gleiche Melone auswählt, man sich in die Augen blickt und weiß „Mit diesem Menschen werde ich den Rest meines Lebens verbringen“ wird leider nur zu einem sehr geringen Prozentsatz erfüllt. In der realen Kommunikation entstehen mittlerweile sehr viele Missverständnisse und dies folgt dazu, dass sich Mann und Frau immer mehr voneinander trennen und nicht näher zuwenden. Das beidseitige Interesse bleibt aber erhalten, weswegen man sich nun auf andere Wege begibt um nachhaltig einen Erfolg zu erleben:

Online-Dating 

Bei obigen möglichen Problemsituationen erklärt es sich von selbst, dass sich immer mehr in die möglichen Gegebenheiten der Online-Datingportale flüchten. Zum Einen ist es einfacher, sein Interesse an einer Person zu bekunden, da man im „anonymen Kreise“ unterwegs ist. Außerdem lassen sich bei Bedarf mehrere Menschen gleichzeitig kennenlernen, bis man dann weiß, wer am Besten zu einem passt. Weiters erspart man sich die Peinlichkeit des Abklärens, ob gegenseitig auch Interesse da ist, da viele Plattformen auf dem Prinzip „Match“ basieren.

Du gefällst mir, ich gefalle dir – Lust auf ein Bier?“

Zu diesem Bier, Kaffee, Kakao, Tee, oder wie auch immer kommt es dann aber meist auch nicht so schnell, weil meist einer der beiden Personen die passive Rolle im Online-Dating annimmt und die Person ist, die „angeschrieben“ werden möchte. Nach dem Anschreiben gilt es also quasi für viele Menschen erst einmal den Anderen online über rhetorische Meisterleistungen zu überzeugen und ja keinen falschen Satz auszuschreiben, da dieser sonst missverständlich interpretiert werden könnte und man sich so in den Augen des Gegenübers evtl. bloßstellen würde, was in der Löschung des „Matches“ oder im Blockieren bei Whatsapp enden kann. Solche Maßnahmen werden wahnsinnig schnell ergriffen, was ich für meinen Teil absolut schade finde – auf mehreren Ebenen. Online-Kommunikation ohne sich zu treffen ist in der Hinsicht eine komplette Zeitverschwendung, weil man online nie rauslesen kann, was der Andere konkret wirklich meint, aber auch nicht, wie es der Andere sagt, denkt usw. Da ist reale Kommunikation meist der garantiert-bessere Support, wenn es um nachhaltige Beziehungen geht. So hat also auch die Digitalwelt ihre Tücken und Lücken.

Für viele Männer lösen sich im Online-Dating bestimmte Regeln im Grunde in ihrem Selbst wieder auf:

  • Sei lustig, aber nicht zu lustig, sonst wird dies missinterpretiert und du bist ein Quatschkopf.
  • Sei intelligent, aber nicht zu intelligent, weil sonst bist du „zu hoch für mich“.
  • Sei ehrlich, aber behalte dir Geheimnisse bei, um weiterhin spannend zu sein und diese erst Stück für Stück rauszurücken
  • Sei karrieretechnisch safe, aber zeige nicht, dass du aktiv daran interessiert bist, deine Karriere nach vorne zu treiben. Es könnte sein, dass dein Gegenüber dann das Gefühl hat, du würdest dich für sie keine Zeit nehmen können.
  • Schreib zurück, aber nicht ständig und nicht gleich. Lass dein Gegenüber während längerer Dialoge nicht ohne Vorwarnung direkt 1-2 Stunden warten, sondern schreibe wo du bist, was du gerade machst, aber auch nicht immer, sondern unregelmäßig. (Oh…wie kompliziert) Das Eine (immer erreichbar sein) wirkt zu aufdringlich und bedient keinem Invest von der anderen Seite, das Andere (länger nicht schreiben) suggeriert automatisch Desinteresse, da ist es komplett egal, ob du gerade deine verstorbene Tante beerdigst, oder du eine existenzielle Krise durchmachst. Das Verständnis ist hier nur selten gegeben, weil es bereits genügend Männer gab, die Frauen hier etwas vorgespielt haben und sie wird diese Geschichten aktiv mit dir vergleichen, ob du es willst, oder nicht.

Ich könnte jetzt die Zeit nutzen auf viele weiter dieser Punkte einzugehen, aber es würde keinen Sinn machen. Selbst-erklärte Flirt-Experten, die dir im Grunde Konzepte versprechen, die du 1:1 beim anderen Geschlecht anwenden kannst, sind meist nur in der Masse erfolgreich. Sprich: Wer den selben Spruch bei 100 Menschen probiert hat höhere Wahrscheinlichkeiten bei einem Menschen zu landen, als wenn man es nur bei einem Einzelnen probiert. Im Grunde gilt eigentlich für mich nur eine Regel:

Schätze das Individuum

Jeder Mensch ist unterschiedlich und dementsprechend auch unterschiedlich in seinem Umgang mit Emotionen und seinem Flirt-Verhalten. Jeder Mensch setzt sich andere Maßstäbe im Leben. Das kann karrieretechnisch sein, oder die Familienplanung betreffen, oder aber auch was ganz Anderes. Für diejenigen, die irgendwann mal SIMS gespielt haben: Im Grunde gibt es ein Lebensziel, das der Mensch verfolgt plus einige Nebenziele die das Hauptziel unterstützen sollen. Dabei ist es aber so, dass es die einen gibt, die die Hauptziele kennen, andere wiederum warten noch auf das einschneidende Ereignis, das einem das Hauptziel näher bringt und die Aufmerksamkeit richtig lenkt. Wichtig ist im Grunde immer nur festzustellen, was der Antrieb im Hintergrund meines Gegenübers ist. Wenn du diese Person dann darin unterstützt und ihm / ihr durch deine eigenen Aktionen entgegenkommst, dann steht einer festen Freundschaft, Beziehung, usw. nichts mehr im Wege. Selbstverständlich ist die Kindheit und die Erziehung wesentlicher Bestandteil, der die Individualität des Gegenübers genauso prägt wie die eigene Individualität. Ein Sprichwort sagt „Du bist der menschliche Durchschnitt deiner 5 engsten Mitmenschen“. Da ist was dran.


Erzähle mir gerne von deinen Gedanken, deinen Erfahrungen und Ideen.
Ich freue mich auf Austausch und hoffe dir mit meinem Text ein paar Ideen mitgegeben zu haben.

Post Author
Lukas GlobeTrotter
Life showed me that whatever you do - rather your failing or not - gives you experience and step by step i started to realize how beautiful it is to live.

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