Der wahre Wert des Dialogs

Ich habe aktuell ein paar nächtliche künstlerische Ergüsse, die ich gerne teile. Vorallem wenn ich das Gefühl habe, dass es bei manchen Menschen auch tatsächlich ankommt. Ich möchte erstmal kurz darauf eingehen, wie dankbar wir unserer Umgebung sein können. Wirklich. Ich mein ganz ehrlich, wir leben in einem Zeitalter, wo die Technik so voran-geschritten ist, dass ich mit dieser Nachricht nicht nur 1 Person, nicht nur 100 sondern 1000e Menschen auf der ganzen Welt erreichen kann. Das ist verrückt, nicht?

Früher hat man Briefe mit Pferden transportiert. Das ist gar nicht so lange her. Trotzdem scheint es mir und so vielen anderen nicht vergönnt mit unserer Kommunikation überall da anzukommen, wo man es sich wünscht. Ich muss hier Text wählen; Text, den ich so sehr liebe wie auch hasse, weil zwischen den Zeilen so viel missinterpretiert werden kann, wie in keiner anderen Form.

Wir schreiben Text – tagtäglich – blanke Worte unserer Kopfstimme niedergeschrieben, kalt, kühl auf modernen Displays unserer Zeit. Wir lassen vieles da, Worte und Emotionen, keine echten, lediglich aufgeschrieben, ausgeschrieben. Dass wir im Gefühlsbad unserer gesellschaftlichen Zwänge zu oft ertrinken ist uns dabei egal. Nicht egal, aber meistens gar nicht bewusst. Denn wenn wir über Gefühle schreiben, uns aufgeben in Zeilen, die so lang sind, dass wir Stunden daran verlieren sie einzutippen, aber nur Sekunden damit darüberzufliegen, dann merken wir die Wertigkeit unserer Worte – wie sie sinkt.

Dieses Texten über Gefühlschaos steht in keinster Relevanz und keinstem Vergleich zu einem echten Gespräch. Und genau hier möchte ich ansetzen. Bitte, sprecht miteinander. Das muss nicht mit mir sein, es sei denn du hast das Bedürfnis dazu, aber wenn es um Konflikte geht, schreibt nicht. Tut euch das nicht an. Wir leben in einer Zeit, die so von Digitalisierung geprägt ist, dass der Mensch stehen bleibt, das ist kein blankes Zitat, das ist eine reale Problematik. Anstatt, dass wir uns gegenseitig öfter begegnen, bekommen wir Smiley-Icons geliefert, die unseren Gefühlen Ausdruck verleihen soll.

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Hinter den Emoticons?
Obige Auflistung gilt nur um nur eine Auswahl aufzuzeigen. Dabei siehst du in den Bussen und Bahnhöfen oft nur drei dieser Gesichter. Und das mit dem Lächeln – das erscheint am seltensten. Nicht weil keiner mehr lacht, sondern weil keiner mehr darf. Du musst auf so viele Dinge aufpassen, um nicht aufgrund deiner Hautfarbe oder deiner Gesundheit einer Diskriminierung beschuldigt zu werden; du hast so viele Dinge zu beachten, die es vor wenigen Jahren nie gegeben hätte, zeitgleich wirst du aber auch stets damit konfrontiert nicht gut genug zu sein. So funktioniert Marketing, so funktioniert Werbung. So funktioniert Fernsehen.

„Die Seele eines Menschen findet sich im Darum des Dialogs“ – Lukas Wagner

Digitale Kommunikation / Wahrnehmung der Medien
Mir bricht das Herz, wenn ich auf Youtube auf eine gescriptete Fernsehsendung stoße, lediglich ein Beispiel: Eine Frau kommt in eine Wohnung, wo ihr Mann fast nackt auf einer Liege liegt und seinen Bauch mit Spaghetti bedeckt hat. „Schatz, das ist für dich, weil ich dich so sehr liebe. Das ist dein Lieblingsgericht.“ Und dann wird brav drauf gezoomt, auf die Frau, die ihm dann die Spaghettinudeln von seinem Körper runteressen muss. Das hat nichts mit Romantik zu tun, das hat nichts mit Authentizität zu tun, sondern mit blanker Absurdität seitens der Produzenten. Kritisiert werden aber hier nicht die Sendemacher, sondern im Grunde diejenigen, die im Fernsehen zu sehen sind. Zwei Menschen, die auf der Straße von Streetcaster gecastet wurden, denen ein Knebelvertrag unter die Nase gehalten wird, die grundsätzlich Arbeitslose beziehen oder sich selbst denken, dass „das schlimm ist, was da im Fernsehen läuft, wir sollten da mal mitmachen um allen zu zeigen, wie schön unsere Familie ist.“ Genau diese Leute werden dann verunglimpft und welches Recht haben wir über solche Menschen im Fernsehen zu lachen?

Gleichzeitig gibt es Sendungen wie Naked Attraction bei RTL 2 bei denen deutsche Männer und Frauen hinter Wänden versteckt werden und die Geschlechtsteile dann sichtbar gemacht werden. Der Kandidat soll dann anhand der Geschlechtsteile feststellen, wer der geeignete Partner ist und am Ende sind dann alle nackt außer die Moderatorin. Ganz ehrlich. Bei Aussagen wie „Ich mag das gar nicht, wenn Penise so klein sind.“ oder „Na, der ist mir zu schrumpelig“, „huch, der ist aber winzig“ usw. dann muss man sich nicht wundern: Während wir Sexismus in der Gesellschaft absolut nicht gutheißen, fördern wir hier Sexismus in seiner Reinform und erlauben es solchen Sendungen und Fernsehprogrammen unsere Kinderzimmer zu beschallen. Merkst du was? Hier kümmert sich der Medienapperat aktiv darum, dass wir weiterhin zwischenmenschlich Probleme zwischen Frau und Mann haben, dass wir uns weiterhin belächeln und gegenseitig kritisieren für oberflächliches, surreales, nicht-authentisches und nicht ernst-zunehmendes.

Der wahre Dialog

Dabei ist es genau jetzt so wichtig in den Dialog zu treten, Menschen gegenüberzustehen, deren Meinung man vielleicht nicht teilt, aber deren Meinung man akzeptiert. Akzeptanz ist der Schlüssel zum Herzen. Wirklich. Es geht weder links noch rechts darum, nur befürwortet zu werden. Es geht darum akzeptiert zu werden und erst wenn du die Meinung anderer akzeptierst hast du die Chance sie auch zu verändern. Das soll jetzt keine Anleitung sein, sondern das muss verinnerlicht werden, bevor es tatsächlich auch eine Lösung hervorrufen kann. Wenn du eine Meinung hast, die ich mit „Du Arschloch“ kritisiere, ist es sehr unrealistisch, dass du diese Meinung änderst. Wenn ich aber dir erstmal zuhöre, dir Fragen stelle, wie du zu deinem Standpunkt gekommen bist, was du erlebt hast, usw. fällt es mir leichter deine Sicht zu verstehen und das dann am Ende mit „Wow, das hätte ich so nicht erwartet, bin absolut dankbar für deine Gedanken und möchte dir an der Stelle sagen, dass ich deine Meinung voll akzeptiere“, abzuschließen. „Darf ich dir an der Stelle meine eigenen Gedanken dazu präsentieren?“ Natürlich wirst du an der Stelle dann eher mit Ja antworten, als wenn ich dir irgendwelche Schimpfparolen nachwerfe. Und selbst wenn ich dann in meiner Meinung eine komplett konträre Sichtweise pflege, dann geht es nicht darum, den Anderen zu überzeugen, sondern darum dem Gegenüber eine neue Perspektive aufzuzeigen, zu zeigen, woher meine Gedanken kommen und warum ich Dinge so sehe, wie ich sie sehe. So sehe ich eine gepflegte ruhige Diskussion, die aber auch in meinem Umfeld viel zu selten stattfindet. Dennoch wollte ich es einfach mal niederschreiben, da sich vielleicht der ein oder Andere darin wiederfindet.

Das reale Gespräch ist einfach so bedeutend. Wirklich. Denn all die obig-erwähnten Smileys sind keine Menschen, sondern lediglich digitale Gesichter der Neuzeit, die keinen Wert mit sich führen. Tu dir selbst und deinem Gegenüber, deinem Partner, deinem Menschen den Gefallen und rufe ihn an, nutze diese elektronische Mittel max. für Arbeit und Verträge, aber niemals für Beziehungen egal in welcher Form. Versuche deine Freunde und Familie so oft es geht zu sehen und kümmere dich darum, ehrlich zu sein. Ehrlichkeit in deinen Aussagen ist das A und O, wenn es darum geht nachhaltig auch für das Umfeld, das dich kennt, versteht und zulässt, als „fair“ wahrgenommen zu werden und Fairness ist eine Eigenschaft, die im Konsum-Zeitalter leider immer mehr zur Rarität wird.

Sprache und Kunst hat viele Gesichter

Nach meinem Auftritt heute in Wien bin ich gerade erst in Salzburg angekommen, nachdem ich mit einem meiner Lieblingsmagier (Johnny Diablo) jetzt 3 Stunden im Auto gefahren bin. Wir haben in Wien die Vienna Talent Night veranstaltet und da 9 Talente eingeladen mit dem Ziel Kunst ein Gesicht zu geben und eine weitere Plattform für junge Kunst zu schaffen. Von Oper über Magie, über Musik – auch hier hätte ich weinen können, weil es so schön war. Das mag für den ein oder anderen falsch klingen, aber es ist absolut ernst gemeint. Was schön war? Der Spirit. Die Authentizität, die hinter der Kunst sichtbar war, die pure Leidenschaft der Beteiligten, die Begeisterung der Besucher, die Vielfalt der Beiträge und die absolute Individualität der kreativen Entfaltung der einzelnen auftretenden Acts.

Kunst hat viele Gesichter, eines davon ist die Sprache und in dieser wurden wir alle irgendwo ausgebildet. Also lasst uns Sprache wieder zu dem führen, wo es angefangen hat. Im Gespräch. Im Laut, der mehr oder minder klar definierte, was wir wollen, uns wünschen und gerne hätten. In jedem von uns stecken Talente und Möglichkeiten, die darauf warten ausgeschöpft zu werden. Zeit, das wir unsere Ressourcen nutzen und das Beste daraus machen.

Meine Worte zum Wochenende,
danke dass du mir deine Zeit geschenkt hast.
Schenke dir jetzt selbst ein paar positive Erfahrungen und fang am Besten damit an, dass du den Menschen dankst, die immer da waren, aber denen du aus Selbstverständlichkeit zu selten danke sagst. ♥*

Verändere – jetzt.
Danke.

Post Author
Lukas GlobeTrotter
Life showed me that whatever you do - rather your failing or not - gives you experience and step by step i started to realize how beautiful it is to live.

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