Dankbar in Wien

Wien ist wohl eine der geschichtsträchtigsten Städte der Welt: Außerordentlich reich an historischen Gebäuden und Museen. Ein Platz um Geschichte zu entdecken und sie zu schreiben.

Mit über 1,8 Millionen Einwohnern ist Wien die bevölkerungsreichste Stadt Österreichs, die zweitgrößte im deutschen Sprachraum und durch ihre Geschichte eigentlich weltweit bekannt. Als gebürtiger Vorarlberger weiß ich, dass es nach dem Schulabschluss viele meiner Freunde nach Wien zog, um dort ihr Studium zu beginnen. Felix ist einer dieser guten Freunde, der mittlerweile dort Film studiert – ich selbst bin auf halber Strecke – in Salzburg – gestrandet, was soweit aber auch nicht schlimm ist. Zu Felix erzähle ich euch aber ein anderes Mal mehr. In diesem Logbuch-Eintrag geht es jetzt erstmal um die letzten vier Tage, die mich bewegten, berührten und zum Nachdenken anregten.

„Ich hätte grad einfach Lust nach Salzburg zu fahren und mit dir Party zu machen und gute Gespräche zu führen“ – Lorenz, 02.08.17 (Whatsapp)

Inspire Me
Dass ich zeitgleich den ähnlichen Wunsch hegte, wusste Lorenz zu diesem Zeitpunkt nicht, aber als er mir schrieb dachte ich gerade daran, ihm zu schreiben, was mir öfter passiert und mich manchmal daran denken lässt, dass es doch tiefere Verbindungen zwischen Menschen geben muss, die wir uns so nicht erklären können. (Alltagstelepathie?) Mir selbst geht es gerade eigentlich ganz gut, habe ich dennoch manchmal Phasen, wo es mir in meinem Sein schwer fällt kreativ zu sein, also liegt es an mir, mich wieder zu öffnen und inspirieren zu lassen. „Morgen bin ich in Wien“, schrieb ich, packte meinen Koffer und machte mich am nächsten Tag auf den Weg. Geplant war nur ein – zwei Tage, da ich am Wochenende eigentlich Besuch bekommen hätte, aber manchmal ändern sich Pläne, manchmal ändern sich Menschen, manchmal lebt man Veränderung und im Nachhinein war es wohl die schönste Entscheidung, die ich zu dem Zeitpunkt treffen hätte können, noch bis Montag zu bleiben.

„Heal the scars from off my back
I don’t need them anymore
You can throw them out or keep them in your mason jars
I’ve come home“ – Welcome Home, Radical Face

Als ich mit meinem kleinen Koffer am Wiener Hauptbahnhof ankam und mich auf den Weg zur U-Bahn machte, kam mir Lorenz schon entgegen. Im Strom der Menschenmassen fokussierte er den Blick zwar Richtung Eingang Hauptbahnhof, erkannte mich aber dann doch, als ich mit einem lauten „Lorenz!“ die Aufmerksamkeit auf mich lenkte. Da, ein Lächeln. Eine Umarmung, eine warme Begrüßung für zwei Menschen, die sich eigentlich selbst erst seit Kurzem kannten, aber ziemlich schnell wussten, dass diese Verbindung anders war als eine herkömmliche Begegnung.

Dass ich mich im nächsten Schritt vom Ticketschalter der Wiener Linien verarschen ließ, kann hier erwähnt werden, muss es aber nicht. Anyway, sollte ich beim nächsten Mal lieber gleich ein Wochen-Ticket (16,20 €) kaufen, bevor ich mir um 16,50 € ein Ticket gönne, welches mir für 72 Stunden den Aufenthalt in U-Bahnlinien garantiert. Hätte ich das nur früher gewusst.

Auf dem Weg zu Lorenz gingen wir erstmal was Essen beim Wiener Deewan, der uns nach dem „Pay As You Wish“ – Prinzip pakistanisch bekochte und dabei wirklich lecker war. Dennoch eine seltsame Erfahrung einfach in ein Restaurant reinzumarschieren, mit keinem reden zu müssen, sich einfach am Buffet zu bedienen und beim Rausgehen zu entscheiden, wie viel es einem wert war. Danach entschlossen wir die Sachen in der Wohnung abzuladen und uns dann in Folge mit zwei Bekannten (Milena & Tereza) in der Donau baden zu gehen. Eines der Dinge, die man in Wien unbedingt gemacht haben muss, wenn man die Stadt öfters besucht (außerdem hatte es 37 Grad und man hatte irgendwie das Gefühl, die Welt hätte sich in eine Sauna entwickelt). An der U-Bahnstation zum Karlsplatz trafen wir auf die Beiden, fuhren gemeinsam zur Donauinsel und entspannten uns im erstaunlich-warmen Wasser der Donau. Nach unterhaltsamen Gesprächen in Picknick-Manier verabschiedeten wir uns dann gegen 11 Uhr und machten uns auf den Weg nach Hause, mit dem Versprechen uns die nächsten Tage bei Zeit & Laune zusammenzurufen.

Wenn dich die Hitze nicht schlafen lässt

Kommt man in die Wohnung von Lorenz, so erkennt man direkt links gleich eine Couch, die sich im Zwischenraum zwischen Küche/Wohnzimmer und Haupteingang befindet. Meine Couch. Und als Couch-Zwischenzimmer-Nächtigender war es ehrlich gesagt eine interessante Erfahrung um 06.30 Uhr von halbnackten Mitbewohnern eher ungefragt und ungewollt entdeckt zu werden. Entdeckt und geweckt und war es in der Nacht sowieso schon schwer genug, ein Auge zuzumachen, so war es  auch Lorenz, der sowieso bis 11.00 Uhr mindestens schlief. Eigentlich täglich. Zum Frühstück holte ich mir Müsli vom Billa nebenan und gönnte mir eine Schnitzelsemmel. Das macht man so, als Reisender. Manchmal. Meinen Müslivorrat konditionierte ich wunderbarst so, dass er bis Montag aufgebraucht werden konnte und sparte mir somit mehrere Fußmärsche, sowie einige Euronen, dennoch ist 2 Stunden Frühstücken täglich beinahe schon Studentenalltag und als selbstständiger Unternehmer nicht immer vertretbar. #Gönnung

Nachdem wir am Freitag mit einem Gast aus Amsterdam und Stephanie, die wir über Couchsurfing Hangout (Artikel folgt) kennengelernt haben, unterwegs waren: Donauinsel, Puerto Pollo, war eigentlich klar, dass ich am Wochenende noch in Wien bleiben muss. Es gibt nicht’s Schöneres als Menschen um sich zu haben, mit denen man sich gut versteht. Die mehreren Stunden Gespräche mit Lorenz lasse ich mal hier außer Acht, war es einfach die positive Energie, die uns eigentlich zu jederzeit erfüllte und jede Situation, in der wir steckten zum Erlebnis machte. Auch wenn es in der Hitze des Gefechts (Wetters) manchmal schwer war, Entscheidungen zu treffen, über Vorhaben, Pläne oder sonstiges. Dennoch.: Wie der Zufall es so wollte, als wir am Freitag aus der U-Bahn kamen stand plötzlich Natalie vor mir. Natalie habe ich vor 6 Jahren das letzte Mal in Vorarlberg getroffen, mittlerweile arbeitet sie als Flugbegleiterin, ist daher eigentlich immer unterwegs und „WHAT THE FUCK“ – da steht sie. „Natalie“, rief ich ihr zu, bevor sie in dem Menschengewühl verschwinden konnte. „Lukas?!“, in verrückter Begeisterung umarmten wir uns und lachten erstmal und bevor die Situation absolut unverständlich werden konnte, klärte ich meine Mitmenschen über unsere Begegnung auf und stellte sie vor.

Dass der Zufall Menschen zusammenspült, sie in die gleiche U-Bahn sitzt, in einer Stadt aus knapp 2 Millionen Menschen…Das Leben ist wunderschön. – Lukas, 04.08.2017

Die Donau mag nicht der reinste Fluss Österreichs sein, aber wenn sich die Nachtlichter spiegeln und man den Blick auf die eher-kleingehaltenen Wolkenkratzer der Stadt richtet, kommt man schon ins Schwärmen, auch wenn die Gespräche, die wir führten so wahrscheinlich weniger romantisch waren, als interessant und sachdienlich. Die Sonne garantierte eine warme Nacht, auch wenn sie sich schon früh nicht mehr blicken ließ und war man auch „putznass“ so dauerte es nur wenige Minuten, bis die Klamotten wieder trocken und tragbar waren. Und auch in „Puerto Pollo“ einer kleinen, lieblichen „Hafenbar“ in Wien bekam man das Gefühl „im Urlaub“ zu sein, wenn man in der Strandbar bei guter Musik seine Cola schlürft und sich genüsslich seinem Schinken-Käse-Toast hingibt („der war einfach köstlich!“). Legendär.

Russland meets Vienna 

Nachdem sich das geplante Wochenende in Salzburg sowieso verschob, entschlossen wir uns Samstag und Sonntag dazu eine Freundin (Anna) von mir aus Russland zu treffen, die zufälligerweise mit ihrer Freundin Anastasia auch in Wien war. Was mich an Anna und ihrer Freundin begeisterte, war die Offenheit, wie sie uns begegneten, die Freude in den Augen von Anna nachdem wir über mehrere Wochen, Monate nur online Kontakt hielten und uns somit nie wirklich begegnen konnten und die zwischenmenschliche Neugier an den Themen des Lebens, die wir völlig kritikfrei behandeln konnten. Gespräche über Politik, Religion, Glauben, Menschen, Familien, Missbrauch, Freude, Liebe passierten einfach (ganz ohne Alkohol) neben Lagerfeuer-Momenten, in denen wir uns einfach zusammen in die Wiese im Park setzten und „Siedler von Catan“ spielten, neben Essen beim Deewan, neben dem Besuch im Schloss Schönbrunn und dem dortigen Tierpark. Mehrfach verloren wir unsere Zweier-Gruppen während unserer Spaziergänge durch die Altstadt und telefonierten uns Stunden später zusammen.

„Unsere Natur ist doch verrückt, wie unglaublich, dass ein Blatt einfach – wie aus dem Nichts – so entstehen kann…und dieses Blatt hier, das wuchs nur für dich.“, sag ich, greife nach dem Blatt eines Strauches und halte es ihr hin. „Danke“, sagt sie und beißt einfach hinein. – Lukas & Anna beim Schloss Schönbrunn

Für mich persönlich war der Samstagabend eigentlich vielleicht der Schönste aller Abende des vergangenen Wien-Aufenthalts. Nachdem wir die letzten drei Tage in Wien eine Fülle an Menschen kennenlernen durften, tolle Gespräche hatten, viel lachten und Zeit als Ganzes genossen, hatte Lorenz und ich an diesem Abend erstmalig eigentlich Zeit dafür, die letzten Tage zu analysieren und uns zu zweit zusammenzusetzen und über Menschen zu reden. Anna und Anastasia verabschiedeten wir so gegen halb 12 Uhr nachts, danach war uns klar, dass wir zwar bereits ein bisschen müde waren, aber direkt Schlafen jetzt noch nicht in unserem Ermessen lag. Ein nächtlicher Spaziergang wurde somit zu einem spannenden Dialog – Gespräche über das Träumen, das Setzen von Zielen, die Schwierigkeiten, die das Leben dir stellt und die Herausforderungen, denen wir manchmal glauben, nicht gewachsen zu sein. Wir entschlossen uns ein Projekt auf die Beine zu stellen, in dem wir Menschen zusammenbringen wollen und Kommunikation und Dialog in den Vordergrund stellen. Im Miteinander kritisieren, diskutieren fernab von irgendwelchen Bezeichnungen und Respektlosigkeit. Eine Plattform, die uns auf unserem Weg begleitet und auch anderen die Möglichkeit bietet, Begleiter oder Wegweiser zu sein. Als wir auf die Uhr schauten, war es plötzlich halb 5 Uhr morgens.

„Erst wenn man die Gegenwart zu etwas Besonderem macht, hat man die Vergangenheit positiv verändert.“  – Lukas Wagner

Abschied

Dass ich am Montag erst um 17:00 Uhr nach Hause fuhr war der Müdigkeit zu verdanken, die mich tagsüber blockierte. Die Nacht war lang, die letzten Tage mit sehr vielen Eindrücken und Inspirationen versehen. Ein Abschied ist aber nie ein Abschied, sondern immer nur ein „Bis bald. Pass auf dich auf.“ Lorenz begleitete mich am Abend zum Zug; dass wir eine besondere Freundschaft pflegen, das wissen wir beide. Und wahre Freundschaft kann entstehen lassen…Als ich um 19:30 Uhr ankam, entstand dieser Blog.

 

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Lukas GlobeTrotter
Life showed me that whatever you do - rather your failing or not - gives you experience and step by step i started to realize how beautiful it is to live.

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