Arbeit, Leben, Leidenschaft

In meiner Arbeit bin ich immer wieder damit konfrontiert mich selbst an meine Grenzen zu bringen, neue Projekte zu entwickeln und Altes in neuem Glanz zusammenzufügen. Seit 14 Jahren findet in Österreich die Lange Nacht der Kirchen statt. In dessen Rahmen durfte ich die Kollegienkirche mit Sprachkunst bespielen und einen exklusiven Auftritt für die Sparkasse umsetzen. Was mich schon immer fasziniert hat sind unsere Schatten. Das Versteckte, Ungewöhnliche, nicht-greifbare, aber doch so nahe. Weg von der Oberfläche, eine Ebene tiefer gehen – Das war auch der Ursprung für mein 2015 entstandenes Unternehmen, welches ich unter der Marke „Slamlabor“ führe.

Für dieses Jahr haben wir uns etwas Besonderes überlegt und das Zentrum der Kollegienkirche in Weiß gehüllt. Dahinter befanden sich Künstler, die in unterschiedlichen Sparten ihr Bestes gaben. Von zeitgenössischem Schatten-Tanz zur Singer-Songwriter-Faszination, bis hin zu ausgeklügelter Sprachkunst von der Vorarlberger Newcomerin und Bühnen-Stürmerin Ines Strohmaier und meiner Wenigkeit. Es war spannend, emotional, mythisch und absolut beeindruckend, wenn mir die Klänge der Nacht Gänsehaut auf meine nicht-trainierten Unterarme zaubert. Die Lange Nacht der Kirchen ist ein Projekt, welches zeigt, was Gemeinschaft für Auswirkungen haben kann, wenn alle an einem Strang ziehen und sich zahlreiche Mitarbeiter auf (un)freiwilliger Basis mit der Umsetzung dieser Reihe beschäftigen. Allein in Salzburg fanden weit mehr als über 100 Veranstaltungen statt. Zwischen den Events wurden die Gäste mit Rikshas kostenfrei von A nach B transportiert. Ein Service, der nicht nur Spaß macht, sondern auch komplett ohne Umweltbelastung, dafür mit toller sozialer Interaktion passiert. Man teilt sich die Riksha, man spricht mit dem Fahrer und lässt sich die Stadt aus einem neuen Blickwinkel erklären. Danke.

Zeitgleich gab es nur wenige Minuten entfernt den Youth Energy Slam des österreichischen Klimafonds zu erleben. Auf der freien Bühnen konnten sich junge Menschen unter 26 Jahren mit Texten zum Thema „Leben ohne Erdöl“ präsentieren. Die besten sechs Teilnehmer qualifizierten sich für das Finale in Linz, wo es tolle Preise zu gewinnen gibt. Wir wurden angefragt das Line-Up zu füllen, da es anfangs schwer war Teilnehmer für die Veranstaltung zu finden. Das lag weniger am Produkt, als an der Möglichkeit, da wir in Salzburg sehr stark präsent und vertreten sind und man bestenfalls in der Stadt „zuhause“ ist, um Events bestmöglich umzusetzen. Der Grund für mich dieser Veranstaltung einen Besuch abzustatten lag dann aber doch noch eine Ebene tiefer. Vor 9 Jahren hatte ich meinen ersten Auftritt bei einer Slam-Veranstaltung im kleinen Kinosaal im Spielboden in Dornbirn. Ich weiß genau, wie es sich damals für mich angefühlt hat, meine ersten Schritte auf der Bühne zu machen. Meine Texte habe ich damals meist dann geschrieben, wenn ich mich allein-gelassen gefühlt habe, was zu der Zeit oft passiert war.

Sprechen heißt nicht wissen

Tränen wurden damals in Tinte verwandelt, die sich beinahe magisch auf meine eigene Art & Weise auf Papier eingravierte. Geweint habe ich dann nicht mehr, dafür aber umso mehr verarbeitet, analysiert, reflektiert und mich selbst und meine Umgebung immer wieder kritisch hinterfragt, was mich zu dem Menschen gemacht hat, der ich heute bin. Bei meinem ersten Auftritt erwartete ich mir keine Unterstützung von irgendjemandem. Ich wollte nicht, dass meine Familie präsent ist, weil ich mich geschämt hätte, wenn ich keinen Erfolg mit nach Hause bringen würde. Das war mein eigenes Fordern an meiner eigenen Präsenz und meiner eigenen Leistung. Aber ich hätte mir damals jemanden gewünscht, der mich begleitet hätte, auf ehrliche Art und Weise – der mir erzählt hätte, wie es weitergeht, was da auf mich zukommt und mir die Möglichkeit gegeben hätte, selbst zu wachsen. Einer meiner damaligen Freunde war Muhammet Ali Bas, der heute zu den bekanntesten türkischen Künstlern Wiens zählt und mit seiner Arbeit grenzübergreifend positives bewirkt. Er hat mich damals motiviert auf die Bühne zu gehen, meinte er, dass das vielleicht etwas für mich wäre, worauf wir uns beide beim „Slam“ eingeschrieben haben. im Anschluss sind wir einige Monate gemeinsam aufgetreten, bis sich unsere Wege irgendwann trennten und Ali immer mehr in Berlin war, ich aber weiter in Österreich Slam-Events besuchte. Im Grunde gibt mir das Leben jetzt zwei Optionen: Es schade zu finden, dass wir nicht mehr diesen Kontakt haben wie damals, oder aber dankbar zu sein dafür, dass er mir die Bühne gezeigt hat, die die nächsten 9 Jahre meines Lebens bestimmen soll. Ich entscheide mich für beides, sehe aber Zweiteres absolut erstrangig. Dankbarkeit und Wertschätzung sind mitunter die wichtigsten Grundlagen unserer Zeit. Wirklich.

Versager? Gewinner? Oft war ich beides.

Mit Leidenschaft besuche ich heute noch – nach über 500 Auftritten meiner Person – dutzende Events, wo Newcomer ihre ersten Schritte gehen, um inspirierenden Persönlichkeiten im jungen Alter schon früh Unterstützung anzubieten. Weil ich weiß, wie es ist, wenn man das „Gewinnen“ nicht so ernstnehmen darf, sich aber beim „Versagen“ wahnsinnig schlecht fühlt. Weil ich weiß, dass man das „Versagen“ nicht so ernst nehmen darf und das „Gewinnen“ am Liebsten jedem ins Gesicht strahlt. Weil ich weiß, wie es ist im Wettbewerb zu stehen, im ständigen Vergleich und Kampf mit sich selbst und wie es ist, am Ende nicht zu wissen, ob der Pfad stimmt. Weil ich mir gewünscht hätte, dass jemand da ist, der mich sieht. Nicht nur mich sieht, sondern MICH sieht. Weil ich mir gewünscht hätte, dass da jemand ist, der versteht, ohne zu sprechen – der annimmt ohne zu urteilen – der bleibt ohne zu warten. Dieser jemand möchte ich auch heute für Andere sein, weil ich weiß, wie wertvoll es sein kann und wie viele Menschen davon profitieren können.

Menschen sehen, oder Menschen sichtbar machen

Über meine Coaching-Tätigkeiten bei Slamlabor, aber auch abseits im Bereich Kommunikationscoaching und Persönlichkeitsentwicklung, nehme ich diese Wertschätzung mir gegenüber wahr und merke wie wichtig es meinen Klienten, Partnern, Freunden ist und wie sehr man von Gesprächen profitieren kann, die einfach nur ehrlich, authentisch und manchmal auch emotional sind. Menschen, die durch ein bisschen Begleitung wieder den Mut finden auf neue Menschen zuzugehen, Freundschaften zu knüpfen, Partnerschaften einzugehen, zu denen sie davor nie in der Lage gewesen wären. Worte, die sich zu Gesprächen entwickeln. Gespräche, die nichts mehr mit der Oberfläche zu tun haben, sondern tiefer gehen – wie Schatten. Silhouetten. Faszination. Bewunderung. Lange Nacht der Kirchen. Man muss Religion nicht mögen, um Kirchen beeindruckend zu finden. Man muss den 2. Weltkrieg nicht erlebt haben um über Hitler zu sprechen. Man muss aber vielleicht ein Stück weit wissen, dass auch in jedem Gegenüber ein Mensch steckt und mir selbst überlegen, wie ich mit Kritik umgehe, bevor ich andere Menschen kritisiere und ihnen gegenüber urteile. Sprache ist ein Werkzeug unserer Zeit, die in Anbetracht der harten Realität sowohl Waffe, als auch Medizin sein kann.

Lass es beides sein.
Waffe des Herzens, Medizin der Seele.
Für mich, für dich. Für die Welt.
#Shalom

Post Author
Lukas GlobeTrotter
Life showed me that whatever you do - rather your failing or not - gives you experience and step by step i started to realize how beautiful it is to live.

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